Nicht jeder Mensch mit einem ausgeprägten Temperament ist krank und bedarf einer psychiatrischen oder gar medikamentösen Behandlung. Eine genaue Abgrenzung der Symptomatik für die verschiedenen Phasen nimmt der behandelnde Arzt vor, der sich dabei beispielsweise auf das ICD 10 bezieht (Internationale Statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme der Weltgesundheitsorganisation, herausgegeben vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information). Eine solche Klassifizierung ist sinnvoll, da der Krankheitsverlauf bei jedem Patienten unterschiedlich ist. Die Klassifikation ermöglicht dem Arzt anhand der individuellen Symptome die Diagnose festzulegen. Im nächsten Schritt wird dann eine spezifische Beratung zu Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten erfolgen.
Die Bipolar-I-Erkrankung beschreibt Patienten, die mindestens eine ausgeprägte
manische und eine
depressive Episode hatten. Die folgende Grafik zeigt ein Beispiel eines solchen Verlaufs
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Abbildung: Beispiel für den Verlauf einer Bipolar I Erkrankung, in Anlehnung an Wormer 2002 |
Um die Bipolar-I-Erkrankung zu diagnostizieren ist es also erforderlich, dass eine oder mehrere manische oder gemischt bipolare Episoden bei dem Patienten aufgetreten sind. Dabei müssen jedoch Stimmungsschwankungen, die auf direkte Wirkungen von Arzneimitteln oder Behandlungen, Drogen oder Vergiftungen, sowie Stimmungsschwankungen, die auf Grund von allgemeinen medizinischen Krankheitsfaktoren auftreten, ausgeschlossen werden. Des Weiteren sind andere psychiatrische Grunderkrankungen wie schizoaffektive, schizophrene oder schizophreniforme Erkrankungen durch den Arzt auszuschließen.
Eine Bipolar-II-Erkrankung wird dann diagnostiziert, wenn in erster Linie
depressive Phasen auftreten, die von mindestens einer hypomanischen Phase direkt gefolgt werden. Hatte es nach der Depression eine Phase mit normaler Stimmung gegeben, kann der Arzt nicht die Beschwerden als Bipolar-II-Erkrankung einordnen. Zusätzlich sind die gleichen Faktoren einer Stimmungsschwankung sowie andere, ähnliche Krankheitsbilder auszuschließen.
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Abbildung: Beispiel für den Verlauf einer Bipolar II Erkrankung, in Anlehnung an Wormer 2002 |
Wie viele Phasen insgesamt bei fehlender Behandlung auftreten, ist unklar und von Patient zu Patient unterschiedlich. Ohne Behandlung neigt der Patient zu immer kürzeren, beschwerdefreien Intervallen und häufigeren Krankheitsphasen im höheren Lebensalter.
Einen sehr raschen Wechsel zwischen
manischen und
depressiven Phasen bezeichnet man als Rapid Cycling. Dabei treten in einem Jahr mindestens vier Episoden einer Manie oder einer Depression auf, wobei dazwischen Phasen mit ausgeglichener Stimmung liegen. Es ist auch möglich, dass die Phasen nahtlos ineinander übergehen. Ein Phasenwechsel innerhalb von Tagen oder auch von Stunden ist ebenfalls möglich. Auch hier sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Zusätzlich wird angenommen, dass jeder fünfte Patient mit einer bipolaren Erkrankung eine Rapid Cycling Verlaufsform hat.
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