Die medikamentöse Behandlung ist ein Bestandteil der Behandlungsstrategie. Sie stellt eine wesentliche Komponente in der
Therapie dar. Von der Psychoedukation und der Psychotherapie wird sie wertvoll ergänzt.
Die pharmakologische Therapie bewirkt über biologische und biochemische Prozesse im Gehirn eine Stabilisierung der Stimmung.
Der Gedanke, ein Medikament über einen langen Zeitraum einzunehmen, wirkt auf viele Menschen verständlicherweise beunruhigend. Besonders, wenn man sich auch mit den Nebenwirkungen des einen oder anderen Medikaments auseinandersetzt.
Die Einnahme von Medikamenten ist jedoch von hoher Bedeutung, um eine langfristige Reduzierung der Symptome, Stabilisierung der Stimmung und damit eine Verbesserung der Lebensqualität zu gewährleisten. Die Medikamente bilden ein Schutzschild gegen neue kranke Episoden und können das Rückfallrisiko senken.
Bei der medikamentösen Behandlung kann man die folgenden vier Gruppen unterscheiden
(1):
Stimmungsstabilisierer können sowohl in der Akuttherapie, als auch in der Langzeittherapie eingesetzt werden. Sie sollten:
Diese Medikamente werden bei Patienten mit einer bipolaren Erkrankung nur in akuten
depressiven Episoden eingesetzt und dies meistens in Kombination mit anderen Medikamenten. Hier unterscheidet sich die Behandlung von jener, welche Patienten erhalten, die ausschließlich an Depressionen leiden. Bei Antidepressiva besteht ein Risiko, dass durch diese Medikamente
manische Symptome ausgelöst werden können. Als therapeutischer Standard unter den Antidepressiva gelten noch heute die Trizyklischen Antidepressiva (TZA). Man geht jedoch davon aus, dass SSRI´s (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) und sogenannte MAO-Hemmer (Monoaminooxidase-Hemmer) sich in der Behandlung depressiver Episoden der bipolaren Erkrankung besser eignen
(3).
Bei diesen Medikamenten unterscheidet man die typischen und atypischen
Neuroleptika. Allerdings lassen sich Symptome wie sozialer Rückzug, Antriebslosigkeit und Depression mit klassischen Neuroleptika nur unzureichend behandeln. Ein weiteres Problem stellen bestimmte Nebenwirkungen der klassischen Neuroleptika dar, besonders die extra-pyramidal-motorischen Störungen (EPMS). Einige dieser Störungen sind beispielsweise Bewegungslosigkeit, Sitzunruhe, sowie unwillkürliche Bewegungen. Diese Einschränkungen in der Lebensqualität der Patienten führen oft zu einem frühzeitigen Absetzen der Medikamente, was das Rückfallrisiko bedeutend erhöht.
Anfang der 90er Jahre wurde das erste atypische Neuroleptikum zugelassen. „Atypisch“ ist die Bezeichnung für das deutlich seltenere Auftreten der EPMS - Nebenwirkungen beim Einsatz der modernen Neuroleptika. Mit einem günstigeren Nebenwirkungsprofil und einer besseren Wirksamkeit im Vergleich zu den typischen Neuroleptika kann auch die
Phasenprophylaxe mit den modernen Neuroleptika besser gewährleistet werden. Einige atypische Neuroleptika wirken auch direkt auf die
Stimmung und werden deswegen auch als Stimmungsstabilisierer eingesetzt.